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Bewegender Besuch aus Indien im Englischunterricht der Klasse 10c

Caroline oder Bahan, wie das mittlere Geschwisterkind auf Hindi, einer der Landessprachen Indiens, genannt wird, zog vor sechs Monaten für ihren Masterstudiengang Sustainability (Nachhaltigkeit) nach Kiel in Norddeutschland.

Bis zu dem Tag, an dem sie ihr Zuhause in Indien verließ, war sie ein typisches junges, indisches Mädchen – sie folgte allem, was ihre Eltern von ihr erwarteten. Ihre Eltern ermöglichten ihr das große Glück, studieren zu dürfen – leider noch immer eher eine Seltenheit in Indien. Sie erwarb einen akademischen Grad in einem Studienfach, für das sie wenig Interesse hatte – welches nach Ansicht ihres Vaters jedoch gute Karrierechancen bot.

Doch als sie von ihrer Familie wegzog, erfuhr sie den „Geschmack von Freiheit“ – und sie genoss ihn! Sie änderte ihr Studienfach ohne ihre Eltern zu informieren, und verliebte sich darüber hinaus in einen foreigner, einen Europäer.

Als sie in den Semesterferien für einen Besuch nach Indien zurückkehrte, erfuhr sie am Abendbrottisch, dass ihre Familie ein sogenanntes match, nämlich einen passenden indischen Ehemann, für sie gefunden hatte. Ausgewählt war ein Freund der Familie, aus der gleichen Kaste stammend, einen sicheren Job in einer Bank innehabend, der ihr ein ansprechendes, solides Zuhause würde bieten können. Für Caroline ergab sich nun ein großes Dilemma. Was sollte sie tun?

Sollte sich Bahan für eine arrangierte Heirat im Sinne der Familientradition oder für eine Liebesheirat entscheiden? Welche Konsequenzen hätte es für sie und ihre Familienmitglieder in ihrem sozialen Umfeld, würde sie ihrem Herzen folgen und sich gegen den Wunsch ihrer Eltern entscheiden?

Sollte sie aber den Weg der Familientradition wählen, würde sie sich eine Reihe von Fragen überlegen müssen, die sie ihrem zukünftigen Lebenspartner bei einem arrangierten Treffen stellt. Diese Fragen dienen dazu, um in kürzester Zeit herauszufinden, ob derjenige wirklich „der Richtige“ ist. Caroline kann sich sehr glücklich schätzen, denn im Gegensatz zu anderen indischen Familien räumt ihr Vater ihr ein gewisses Mitspracherecht ein.

Mit Carolines Fragen beschäftigten die Schüler der 10c im Englischunterricht. Caroline Kanjookaran aus Kochi, Bundesstaat Kerala (god’s own country), stattete im Rahmen des Projekts „Europa macht Schule“ dem Carl-Maria-von-Weber Gymnasium am 17. März 2017 einen Besuch ab.

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Team Teaching mit Caroline Kanjookaran und Janna Hars, Englischlehrerin der Klasse 10c

Mit viel Enthusiasmus und Spaß entwickelten die Schüler, die in Indien durchaus im heiratsüblichen Alter wären, zwanzig Fragen, die sie ihrem potentiellen Lebenspartner stellen würden. Während eines Speed-Datings befragten sie sich gegenseitig.

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Speed-Dating

In einer nachgestellten Diskussionsrunde am Abendbrottisch schlüpften sie anschließend in die Rollen von Daada (Hindi für Großvater), Daadi (Hindi für Großmutter), Papa (Hindi für Vater), Mama (Hindi für Mutter), Bhaiyya (Hindi für älterer Bruder) und Chotti (Hindi für das jüngste Kind der Familie). Wie sollte das „Familiengericht“ entscheiden? Was steht im Vordergrund - die Familientradition und der Ruf der Familie in der Gesellschaft oder aber das Glück von Bahan? Eine schwierige Entscheidung, mit der sich Caroline Kanjookaran im tatsächlichen Leben ernsthaft auseinandersetzen muss.

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Rollenspiel: Should Bahan decide for an arranged or a love marriage?
(Sollte sich Bahan für eine arrangierte oder eine Liebesheirat entscheiden?)


J. Hars (Englischlehrerin der Klasse 10c)

 

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