Eutin

Die Bedeutung des Stadtnamens „Eutin“ ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Jahrhundertelang vermutete man, „Utin“ leite sich ab von Ut und In (aus und ein), weil man die Stadt im Mittelalter nur durch ein einziges Stadttor betreten oder verlassen konnte. Sprach- und Vorgeschichtsforscher vermuteten hingegen, „Utina“ könne altslawisch „Ort am Sumpf“ geheißen haben, oder aber abgeleitet vom altslawischen Wort „tynu“ = Burg, also „Bei der Burg“, zumal sich um 1137 auf dem Warder (Fasaneninsel) im Großen Eutiner See die Burg eines wagrischen Gaufürsten „Uta“ befunden haben soll. Utin heißt demnach „Ort, Siedlung des Uta“. In neuesten Forschungen tauchen aber auch Überlegungen auf, ob nicht von dem vorslawisch-germanischen Wort „utino“ auszugehen sei (als Übernahme des vorgermanisch-alteuropäischen Wortes „u-dina“ mit der Wortwurzel ud = Wasser. Diesen Wortstamm gibt es in verschiedenen europäischen Sprachen und bedeutet immer Wasser). Dann würde der Name Bezug nehmen auf die umgebenden Seen.

Eutin

Das Wappen der Stadt Eutin, in der heute ca. 18.000 Einwohner leben, zeigt ein goldenes Kreuz im blauen Feld. Der senkrechte Balken des Kreuzes schließt unten und oben mit je einer Lilie ab. Der waagerechte Balken trägt an beiden Enden je eine achtteilige Rose. In den vier Balkenfeldern stehen am äußeren Rand die Buchstaben „UTIN“.
Das goldene Kreuz ist ein Bischofskreuz, weil es ein Bischof war (der Lübecker Bischof Johann von Diest), der 1257 dem damaligen Utin das Stadtrecht verlieh. Schon durch das Bischofskreuz im Wappen hob sich die Stadt somit von allen anderen Orten im Lande ab, die im 13. Jahrhundert das Stadtrecht erhielten: Während diese im Wappen bis heute das Schauenburger Nesselblatt der holsteinischen Grafen bzw. Lübeck als reichsunmittelbare Stadt den Adler führen, erhielt das Eutiner Wappen als einziges städtisches Wappen Schleswig-Holsteins das bischöfliche Kreuz. Die Einbeziehung des mittelalterlichen Stadtnamens in das Stadtwappen ist ebenfalls ausgesprochen ungewöhnlich und kommt so gut wie in keiner anderen Stadt im deutschsprachigen Raum vor. Lilien und Rosen waren beliebte Symbole des staufischen Rittertums, wobei die Lilie das Sinnbild der Reinheit darstellte und die Rose das Symbol der Gerechtigkeit verkörperte.

(Text: Frank Petzold)



Eine kurze historische Skizze Eutins

1143 gründeten eingewanderte deutsch-holländische Bauern und Handwerker im Gefolge einer Kolonisations-Aufforderung des schauenburgischen Grafen Adolf II. das Dorf „UTIN“. Der älteste Beleg für den Namen findet sich (in seiner lateinischen Form „Utinum“) in der „Slawenchronik“ des Bosauer Pastors Helmold (um 1170). In der holländischen Mundart sprachen die Kolonialisten den Ortsnamen möglicherweise „Ütin“ aus, woraus später „Eutin“ wurde.

1156 ging das Dorf Utin in kle¬rikalen Besitz über und wurde vom Lübecker Bischof Gerold zu einem bewusst ange¬legten Bleek oder Marktort umgestaltet. Dazu ließ er sich ein festes Haus am Markt errichten.

Um 1220 wurde mit der Errichtung der St. Michaelis-Kirche als romanischem Backsteinbau nahe dem Marktplatz begonnen.
1257 erhielt Bischof Johann von Diest vom Grafen von Holstein die volle Hoheit über Utin und verlieh dem Marktort das Lübsche Stadtrecht.

Um 1300 überwarf sich in Lübeck der Bischof Burkhard von Serken mit dem dortigen Rat der Stadt und ging nach Utin ins Exil. Als kleine Residenzstadt mit einem bischöflichen Domkapitel erhielt Eutin dadurch eine besondere Prägung, die es sich durch die Jahrhunderte bewahren konnte.

Obwohl sich die Reformation in Norddeutschland relativ zügig durchsetzen konnte, änderten sich die Verhältnisse in Eutin nur allmählich. Dass die Residenz seit dem frühen 17. Jahrhundert nicht mehr von katholischen Bischöfen, sondern nunmehr von evangelischen Fürstbischöfen zu Lübeck regiert wurde (die ab 1586 aus dem Hause Holstein-Gottorf kamen), lag zunächst eher an Einflüssen diverser schleswig-holsteinischer Landesteilungen als an einem durchgreifenden Erfolg der neuen Konfession in Eutin.

1689 kam es zu einem verheerenden Stadt- und Schlossbrand, in dessen Gefolge bis 1692 ein neues Fürstenschloss gebaut wurde.

Durch den Peterhofer Vertrag von 1773 wurde das „Fürstbistum Lübeck“ im Zuge eines nordeuropäischen Ländertausches mit den Grafschaften Oldenburg (in Oldenburg) und Delmenhorst zusammengefasst. Dieses Kunstgebilde wurde ein Jahr später von Kaiser Josef II. zum neu geschaffenen „Herzogtum Oldenburg“ erhoben. Somit residierte in Eutin fortan der Herzog von Oldenburg, bis der Administrator des Herzogtums, Peter Friedrich Ludwig, um 1800 seine Hauptresidenz nach Oldenburg i. O. verlegte. Eutin blieb aber Regierungssitz sowie herzogliche Sommerresidenz.

In diesem Zeitabschnitt erlebte Eutin eine außergewöhnliche kulturelle Blütezeit, die der Stadt den Ruf eines „Weimar des Nordens“ einbrachte. Zum Beispiel wirkten oder ließen sich hier inspirieren: Johann Heinrich Voss, Friedrich Leopold Reichsgraf zu Stolberg, Wilhelm von Humboldt, Friedrich Gottlieb Klopstock, Matthias Claudius oder der Goethe-Maler Wilhelm Tischbein. 1786 wurde Carl Maria von Weber in Eutin geboren.

1788-91 erfolgte der Bau eines neuen Rathauses am Markt im klassizistischen Stil.

1803 wurde – gemäß dem Reichsdeputationshauptschluss – das geistliche „Fürstbistum Lübeck“ im Zuge der Säkularisierung aufgehoben und in das weltliche „Fürstentum Lübeck“ umgewandelt.

1813 überfielen französisch-dänische Truppen die Stadt und okkupierten sie. Nach der deutsch-russischen Befreiung 1814 waren russische Kosaken in Eutin einquartiert.

1831-67 war Eutin Standort einer oldenburgischen Heeresabteilung. 1913 wurde Eutin erneut Garnisonsstadt; die während des Ersten Weltkrieges neu erbaute Kaserne wurde 1918 von der Reichswehr bezogen.

1833 Bau eines klassizistischen Schulgebäudes nach einem Entwurf des Architekten Heinrich Nikolaus Börm in der heutigen Plöner Straße, in das 1920 ein Lyzeum einzog. 1955 erhielt dieses städtische Gymnasium den Namen Carl-Maria-von-Weber-Schule.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte das technische Zeitalter das Provinzstädtchen. Um 1850 wurden erste Fabriken in Eutin angesiedelt (z. B. Sägewerk, Flachsreinigungsfabrik und Tütenfabrik). Den ersten Eisenbahnanschluss erhielt Eutin 1866, als die Strecke Neumünster – Neustadt eingeweiht wurde. Die Verbindung nach Lübeck entstand 1873.

Durch seine günstige geografische Lage zwischen Lübeck, Neumünster und Kiel entwickelte sich die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur zu einem gewissen Verkehrsknotenpunkt, zumal man auch mit dem Bau von Chausseen begann, sondern sie nutzte die neu entstandene Infrastruktur auch für erste Fremdenverkehrsansätze.

Nach der Revolution 1918 blieb Eutin Regierungssitz des oldenburgischen „Landesteils Lübeck“.

1937 wurde aus dem oldenburgischen „Landesteil Lübeck“ der preußische „Kreis Eutin“.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 besetzten britische Truppen Eutin. Zahlreiche Flüchtlinge verdoppelten die Einwohnerzahl Eutins innerhalb weniger Wochen. Nach dem Beschluss der Alliierten über die Zerschlagung Preußens gehörte die Stadt fortan zum Land Schleswig-Holstein.

Die 1951 unerwartet erfolgreich durchgeführten Festspiele zu Ehren Carl Maria von Webers bewogen die Verantwortlichen, seitdem jährlich wiederkehrende „Eutiner Sommerspiele“ (bzw. seit 2000 „Festspiele“) auf einer Freilichtbühne im Schlossgarten durchzuführen.

Nach ihrem Umzug aus Eckernförde beherbergt Eutin-Hubertushöhe seit 1956 die Bereitschaftspolizei Schleswig-Holsteins (später offiziell bezeichnet als „Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei Schleswig-Holstein“).

Im Zuge einer Gebietsreform entstand durch die Zusammenlegung der vormaligen Kreise Oldenburg und Eutin 1970 der „Kreis Ostholstein“, zu dessen Kreisstadt Eutin bestimmt wurde.

1996 gewann der Eutiner Christian Klees die erste Goldmedaille für die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland bei den Olympischen Spielen in Atlanta (Georgia, USA).

2007 konnte die Stadt Eutin auf ihr 750-jähriges Bestehen zurückschauen.